Das Abenteuer Jericoacoara beginnt schon etwa 18 km vor dem Ort in den Sanddünen, wenn man in dem winzigen Durchfahrts-Örtchen kurz vor Préa an der letzten Werkstatt (gegenüber der Tanke an der Ecke), Luft aus seinen Reifen machen lässt.
Ab hier geht es nämlich größtenteils nur noch auf Sand weiter und das ist mit unserem VW Gol zwar absolut machbar, erfordert aber auch eine eher resolute Fahrweise: Simon trimmt den Gol bisweilen mit einigen Schweißperlen auf der Stirn in „Jutta Kleinschmidt-Slide-Manier“ über die Sandwege.
Préa lassen wir relativ schnell hinter uns; zwar schauen wir uns den Kitebeach an, entscheiden uns aber, direkt nach Jerico weiter zu fahren.
Jeri hat alles, was man im Urlaub braucht
Dort erwartete uns dann ein super-schönes, wenn auch etwas nach Europapark-Manier durchgestyltes Städtchen, in dem es alles an Infrastruktur gibt, was man für einen Urlaub braucht:
Viele schöne Pousadas, Restaurants, Bars und kleine Läden, in denen man von Ohrringen über Hängematten, Havaianas, etc. alles kaufen kann, was man üblicherweise aus Brasilien mitbringt. Aber erst mal auf’s Wasser…
Der perfekte Kitespot
Kiten in Jeri wird ja häufig weniger empfohlen – für uns ist es eigentlich fast der coolste Kitespot bisher.
Mit unserem mittlerweile zum Jeep gewordenen Gol fahren wir den Strand entlang und gehen etwas nördlich der großen Sanddüne, dem Wahrzeichen von Jerico, raus.
Der Wind ist zwar stark – bis zu 30 Knoten – und tatsächlich auch eher böig, aber wenn der Tidenstand richtig passt, hat man am Strand eine schöne Spielwiese aus Flachwasser und kleinen Wellen, an denen man sich austoben kann. Der einzige Nachteil ist, dass die Zufahrt zum Spot etwas schwierig ist: Bei Flut kommt man am Strand kaum an der Sanddüne vorbei; man muss sich auf der Landseite der Düne durch den Sand schlängeln.
Zurück im Ort sprechen wir einen brasilianischen Kitelehrer an, der sich gleich zu uns ins Auto setzt, um uns auf der Suche nach einer Pousada für die nächsten Tage zu helfen.
Unsere Pousada, das Pedra Furada, liegt fast direkt am Beach, hat neben WiFi auch eine Hängematte vor dem Zimmer (das ist für uns zur Grundvoraussetzung für die Wahl der Pousada geworden) und ist ganz nett, wenn auch zum Teil etwas altersschwach.
Und so verbringen wir dann auch eine ganze Woche in Jeri – mit kiten, baden, faulenzen, essen und ausgehen. Der Spot vereint perfekt die Wind- und Wassersportarten Kiten, Windsurfen und Wellenreiten, und so findet dann auch während unserer Zeit in Jeri das Event „Jeri, Sport, Music 2008“ statt, bei dem neben Kite- und Windsurfwettbewerben auch Konzerte und Party am Strand angesagt sind.
Strandaktivitäten bei Sonnenuntergang
Eine der Hauptattraktionen in Jerico ist jedoch der Sonnenuntergang im Meer, ein Erlebnis, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte. Die Stimmung am Strand wird dann magisch und jeder nutzt sie für irgendwelchen Aktivitäten:
Man sieht Capoeira-Tänzer am Strand, einige Reiter mit Pferden, andere versuchen sich im Sandboarden und viele pilgern einfach auf die große Sanddüne und genießen von dort aus den Sonnenuntergang.
Auf jeden Fall sollte man sich einen leckeren Caipi bei einem der fliegenden Cocktailbuden gönnen: Zum Teil bestehen diese Büdchen nur aus einem Tisch mit 15 bis 20 Schnapsflaschen und einem Berg Obst und sonstigen Utensilien.
Am Ständchen daneben gibt’s für Simon noch einen gegrillten Hähnchenspieß und für mich einen gegrillten Käse am Stock für umgerechnet etwa jeweils 70 Cent. Hm! So schön kann das Leben sein…
Sandfahrten mit dem Gol - das wahre Abenteuer!
Und bei dem Versuch mit unserem Gol zur Lagoa Paraiso zu kommen, erleben wir dann doch noch eines der berühmten „im Sand stecken bleiben“-Abenteuer, die alle Dünenfahrer wohl schon mal erlebt haben.
In einer recht zerfahrenen Senke, die wir vorher zwar schon etwa 10 Minuten zweifelnd begutachtet haben, um dann (schlauerweise) schließlich doch durchzufahren, bleibt der Gol stecken – und zwar richtig! Der ganze vordere Unterboden ist im Sand eingegraben.
Zum Glück biegt recht schnell ein Buggy um die Ecke, beladen mit fünf Leuten. Auf anraten des brasilianischen Buggy-Fahrers wird der Gol erst mal mit dem „macacu“ (Wagenheber) nach oben geschraubt, damit wir besser graben können.
Eine der Damen gräbt mit mir, bis wir vom Sand völlig „empanado“ (paniert) sind, sozusagen „alla milanesa“ (wie Wienerschnitzel). Die Männer beratschlagen und suchen Palmwedel und andere Teile, die dann unter den Reifen gelegt werden.
Dasselbe Procedere gibt es dann nochmal für die andere Seite und man merkt, wie der Ehrgeiz unserer Helfer wächst, den Gol aus seinem Sandgrab zu bekommen. Mit schieben und ruckeln bekommen wir ihn dann aber schließlich frei und die panierte Helferin klatscht in die Hände und ruft begeistert, dies seien schließlich die wahren Abenteuer einer Buggy-Tour.
Nach einer Woche Jeri setzen wir uns in unseren Sandkasten-Gol und fahren wieder Richtung Süden – Cumbuco ruft!

















